Das Netzwerk

Aufgabenstellung und Zielsetzung

1. Präambel

Bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland liegt bei 2 - 6 % ein Aufmerksamkeits- / Hyperaktivitätssyndrom (AD/HS) vor. Diese häufig auftretende psychische Störung hat ein hohes Chronifizierungsrisiko. Neben den individuellen Folgen für Betroffene ist sie mit erheblichen unmittelbaren und langfristigen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Kosten (z.B. durch erhöhtes Unfallrisiko, Inanspruchnahme von Jugendhilfe, Besuch von Sonderschulen, Abbruch von Ausbildung, einen nicht der Anlage entsprechenden Ausbildungsabschluss, etc.) verbunden.

Die qualifizierte Diagnostik und bedarfsgerechte Behandlung erspart den Betroffenen nicht nur viel Leid, sondern senkt auch die mit der Störung verbundenen mittelbaren (z.B. langjährige falsche Therapien) und unmittelbaren Kosten (z.B. Jugendhilfemaßnahmen, Sonderbeschulung, Nichtvermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt).

Flächendeckend ist man zum gegenwärtigen Zeitpunkt von diesem Zustand noch weit entfernt.

Zum einen ist insbesondere in ländlichen Regionen eine flächendeckende Versorgung der Patientinnen und Patienten noch nicht gewährleistet, da das für die Versorgung notwendige Personal nicht vorhanden ist, keinen ausreichendenden Wissensstand besitzt oder aufgrund zu hoher Arbeitsbelastung nur marginal die notwendigen Aufgaben übernehmen kann.

In einem städtischen Ballungsgebiet wie München ist zwar die Dichte der an der Versorgung der Patientinnen und Patienten beteiligten Professionen höher, die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen aber, dass dies nicht automatisch zu einer besseren Versorgung geführt hat. Gründe hierfür liegen z.B. in der Unkenntnis neuer Forschungsergebnisse und mangelnden Vernetzung der an der Behandlung der Patientinnen und Patienten beteiligten Berufsgruppen aber auch der Nichterfüllung der für die Behandlung gängigen Standards (z.B. Leitlinien der Fachgesellschaften).

 

2. ADHS Netzwerk München

2.1 Organisation

Basis für das ADHS-Netzwerk München ist die langjährige Zusammenarbeit verschiedener interdisziplinärer ADHS- Qualitätszirkel unter der Leitung von Dr. med. Adam Alfred, FA für Kinderheilkunde und Kinder- und Jugendpsychiatrie, Dr. med. Dipl. Psych. Carl Baukhage, Kinder- und Jugendarzt, Dr. med. Johanna Krause, FÄ für Psychotherapie und Psychoanalyse, Dr. med. Anton Lindermüller, FA für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Dr. Ulrich Rothfelder, Nervenarzt. Bereits seit mehreren Jahren haben diese Arbeitsgruppen diverse Aktivitäten in Richtung Netzwerkbildung (Arbeitstreffen mit allen beteiligten Fachgruppen, Fortbildungsveranstaltungen, Helferkonferenzen, Fallkonferenzen, interne Qualitätsarbeit etc.) unternommen, die mit der Gründung des Netzwerks ADHS München jetzt weiter koordiniert werden können.

2.2 Ziele des Netzwerks

1.Verbesserung der qualifizierten Diagnostik und bedarfsgerechten Behandlung. Grundlage hierfür stellen die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Deutschen Gesellschaft für Nervenheilkunde sowie die evidenzbasierte Medizin dar.

2.Verbesserung eines kosteneffizienten Managements durch Zusammenarbeit mit den entsprechenden Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenkassen, Berufsverbänden und Jugendämtern.

2.2.1 Vernetzung

Durch die Vernetzung der unterschiedlichen an der Versorgung beteiligten Disziplinen und Fachgruppen soll der bestehende fachübergreifende Dialog ausgebaut werden. Die Verbesserung der Zusammenarbeit soll dazu führen, dass Patienten schneller die geeigneten Hilfen erhalten und Mehrfachuntersuchungen vermieden werden. Durch den Ausbau des fachübergreifenden Dialogs sollen die jeweiligen Qualitätsstandards verbessert werden. Das Diagramm zeigt einen Überblick der zu vernetzenden Disziplinen und gesellschaftlichen Gruppen.



2.2.2 Schaffung adäquater Kommunikationsstrukturen

Die bisherigen Kommunikationsstrukturen (Helferkonferenzen bei Kindern und Jugendlichen, Fallkonferenzen, regelmäßige Qualitätsverbesserung durch Arbeitstreffen, Briefe, Telefonate etc.) sollen ausgebaut und optimiert werden.

Zusätzlich soll durch ein eigenes Internetportal der allgemeine Wissensstand den jeweiligen Professionen zugänglich gemacht werden. Die Bereitstellung praxisnahen Materials ist hier ebenso vorgesehen wie die Veröffentlichung aktuellster Informationen (Leitlinien, evidenzbasierte Informationen etc.)

Jeder teilnehmende Therapeut verpflichtet sich leitliniengerecht seinen Fähigkeiten und Ressourcen entsprechend zu diagnostizieren und zu behandeln. Diese Informationen stehen auf dem Internetportal dann zur Verfügung (nicht im Sinne von Werbung, sondern von Information = interner Bereich).

In diesem Portal ist auch ein öffentlicher Bereich vorgesehen, der Menschen mit ADHS und deren Angehörigen den Zugang zu aktuellen Informationen, anderen regionalen Netzwerken, Selbsthilfegruppen, Ärzten und Beratungsstellen erleichtern soll. Hier werden wichtige Informationen zugänglich gemacht (Angebot der Praxis, Anmeldeprocedere, Notwendigkeit der Überweisung, Kostenträger der Therapie.)

Darüber hinaus soll durch die Schaffung eines geschlossenen Informationssystems die Kommunikation und der Datenaustausch fallbezogen verbessert werden. Die gültigen Datenschutzbestimmungen sind dabei selbstverständlich zu berücksichtigen.

2.2.3 Fort- und Weiterbildung

Durch die Schaffung von Fort- und Weiterbildungsangeboten für die beteiligten Berufsgruppen soll eine ständige Verbesserung der Qualitätsstandards erreicht werden. Dies ist in der Vergangenheit durch die Kooperation mit namhaften in Wissenschaft und Lehre tätigen Referenten möglich gewesen und soll weiter ausgebaut werden.

2.2.4 Öffentlichkeitsarbeit

Durch kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit (Internetauftritt, Presseinformationen, Schulungen, Pressekonferenzen) soll eine hohe öffentliche Akzeptanz des Netzwerkes erreicht werden die wiederum den betroffenen Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen die Inanspruchnahme professioneller Hilfe erleichtern soll.