ADHS bei Erwachsenen

Ein Teil der Kinder, die unter ADS/ADHS leiden, behält die Symptomatik bis zum Erwachsenenalter bei. Manche lernen ihre Symptome zu kontrollieren oder zu kompensieren, manche haben weniger Glück und entwickeln, sofern sie im Kindes- und Jugendalter nicht mit Erfolg behandelt wurden, spezifische Probleme, deren Ursachen ihnen zum Teil gar nicht bewusst sind.

Grundsätzlich fühlen ADHS-ler anders, sie haben schnellere Stimmungswechsel, ein anderes Lebenstempo bzw. ein anderes Zeitgefühl. Ihre Wahrnehmung, ihr Gedächtnis und ihre Aufmerksamkeit funktionieren anders.

Wird ihre Situation nicht verstanden bzw. diagnostiziert und wird keine Behandlung durchgeführt können sie auch daran zerbrechen.

Im Vergleich zum Kindesalter erfolgt meist ein Symptomwandel, das ADHS im Erwachsenenalter verändert sich und es entsteht ein  komplexes Krankheitsbild, das das gesamte Spektrum der Psychiatrie erfassen kann. Angelehnt an die Diagnostik der Kinder entwickelte Wender die „Wender-Utah-Kriterien“, die von der WHO übernommen wurden. Die  Kurzfassung finden Sie in unseren Screening-Fragebögen 

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese Fragebögen lediglich einen Verdachtsmoment für ADHS oder Depression ergeben. Keinesfalls lässt sich eine Erkrankung anhand der Fragebögen alleine einwandfrei diagnostizieren.

WHO Wohlbefinden Fragebogen (Depression / Angst)

WHO ADHS Fragebogen

Eine Beschreibung des Themas finden Sie in dem folgenden Text und dem anschließenden Video (leider nur auf Englisch). Es gibt nur wenige Erwachsenenpsychiater, die sich darauf spezialisiert haben, ADS/ADHS Patienten zu behandeln (Liste am Ende der Seite).

Als Kernsymptome gelten:

  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen,
  • Hyper- oder Hypoaktivität,
  • Stimmungslabilität mit mangelnder Affektkontrolle,
  • Organisations- und Strukturierungsproblem,
  • mangelnde Steuerungsfähigkeit,
  • Schwierigkeiten mit Beziehungen,
  • schnelle Erschöpfung,
  • Vergesslichkeit und am Ende auch
  • starke Selbstzweifel.

Wie bei Kindern wird auch bei Erwachsenen weiter ein hyperaktiver und ein unaufmerksamer Typ unterschieden, wobei der häufigste Typ der Mischtyp ist, d.h. es sind  Symptome von beiden Typen vorhanden.

Das wichtigste Kernsymptom der ADHS-ler ist die Aufmerksamkeitsstörung!

Geringe Fokussierung

ADHS-ler können ihre Aufmerksamkeit nicht lange auf etwas fokussieren. Bei der kleinsten Ablenkung wenden sie sich dem neuen Reiz zu. Das führt zur Vergesslichkeit, Flüchtigkeitsfehlern, Sprunghaftigkeit und Zerstreutheit, die wiederum  Arbeitsstörungen nach sich ziehen können. Es fällt den Betroffenen weiterhin schwer gezielt Wissen abzurufen und so bringen sie inkonstante Leistungen. Erstaunlich ist aber, dass sich ADHS-ler ganz hervorragend auf etwas konzentrieren können, was sie sehr interessiert. Hier können sie Höchstleistungen erbringen und man fragt sich oft, wieso manche Dinge so brillant gemacht werden können und so einfache, aber uninteressante Dinge einfach nicht bewältigt werden.

Reizüberflutung

Heute in unserer reizüberfluteten Welt ist diese schnelle und feine Wahrnehmung von Sinneseindrücken oft eine Überforderung, weil

einfach zu viele  Informationen aufgenommen werden. Das kann sogar zu einem Zusammenbruch führen, ähnlich wie bei einem Computer, auf dem vollkommen sinnlos auf der Tastatur herumgehämmert wird. Das ADHS-Gehirn kann nicht entscheiden, welche Sinneseindrücke wirklich wichtig und welche unwichtig sind. Alle Eindrücke werden gleich wichtig wahrgenommen und so weiß

 das Gehirn oft nicht, welchem Reiz oder Ereignis es sich zuwenden soll. Wenn aber etwas als wirklich als wichtig und spannend erkannt wird, dann wird nur noch das wahrgenommen, was zum Erreichen des angestrebten Ziels notwendig ist und alle anderen Informationen werden dann unwichtig und auch Wesentliches kann dann vernachlässigt werden. Diese Hyperfokussierung kann dann Sogar zu einem erheblichen Vorteil gegenüber anderen Menschen werden!

Motorische Hyperaktivität

Während die Kinder besonders bei ADHS noch die klassischen „Zappelphilippe“ sind, nicht stillsitzen, wild sind und sich nicht an Regeln halten können, zeigt sich die Symptomatik bei Erwachsenen diskreter. Sie haben gelernt sich besser zu beherrschen, aber sie behalten ihre innere Unruhe; ihr Getriebensein, das Gefühl wie unter Strom zu stehen und nicht abschalten zu können;  es gelingt schwer, über lange Zeit still zu sitzen und zu warten. Man bemerkt es bei anderen an dem Wippen der Füße, den Fingern, die ständig in Bewegung sind und an irgendetwas herumspielen und dass man selbst etwas unruhig neben ihnen wird.

Manche Betroffene haben gelernt die innere Unruhe zu verbergen und sie wirken nach außen ruhig und gelassenen. Fragt man sie nach innerer Unruhe und Getriebenheit, so berichten sie häufig erleichtert, dass sie schon ihr ganzes Leben darunter leiden und es sie große Anstrengungen kostet, dies zu verbergen.

Hypoaktivität

Es gibt noch eine Sonderform, die wenig bekannt, aber trotzdem bedeutend ist. Die Betroffenen wirken verträumt, abwesend, uninteressiert.  Sie bekommen häufig etwas nicht mit, sind eher unauffällig, neigen dazu sich schnell zurückzuziehen und zu resign

ieren. Sie haben im späteren Lebensalter ein hohes Risiko für Depression und Ängste. Während der hyperaktive ADHS-ler seine Gefühle in die Welt ungehemmt auslebt, hält der hypoaktive Typ alle Emotionen zurück.

Im Erwachsenenalter ist ebenso wie im Kindesalter der Mischtyp am häufigsten, d.h. dass je nach Situation mal die eine Variante, mal die andere Variante der Aktivität sichtbar ist.

Stimmungslabilität und Impulsivität:

Die Betroffenen klagen über einen, für sie selber aber auch für die Bezugspersonen, Partner und Kollegen schwer erträglichen Wechsel zwischen extremen Gefühlszuständen. Extrem guter Laune  folgt tiefstes Betrübtsein und meist sind es Kleinigkeiten, die solche Stimmungswechsel auslösen. Es ist quasi eine emotionale Achterbahn, auf der die ADHS-ler hin und her fahren. Ihre Reaktionen werden von der Umwelt häufig als völlig überzogen erlebt. Sie können ihre Mitmenschen auch sehr schnell verletzen, fühlen sich andererseits aber selber sehr schnell gekränkt. Sie leben quasi im permanenten Ausnahmezustand, der schnell bedrohlich werden kann.

Impulsivität

Ihre Impulsivität ist ein weiterer Teil des Problems. ADHS-ler handeln oft unüberlegt, zu schnell und ohne nachzudenken, weil sie ihre Gefühle nicht kontrollieren können. Oft tut es ihnen hinterher sehr Leid, was sie so angerichtet haben, es fällt ihnen jedoch sehr schwer aus solchen Situationen zu lernen, um ihre Art zu reagieren dauerhaft zu kontrollieren.  Irgendwie sind sie in vielen Situationen wie kleine trotzige Kinder. Nichts trifft auf sie besser zu als die in dem Buch „Wackelpeter und Trotzkopf“ beschriebenen Verhaltensweisen von 4-7-Jährigen.

Chaos, Desorganisation

ADHS-ler können nur schwer Ordnung halten, es fehlt ihnen die Fähigkeit, Arbeitsabläufe  zu strukturieren und Prioritäten zu setzen. IhreUnordnung am Arbeitsplatz aber auch zu Hause kann zu einem Messie-Zustand führen, mit dem ihre Umwelt nicht klarkommt. Oft versuchen sie, viele Dinge gleichzeitig zu tun, was erst recht in einem Chaos enden kann.

Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, in der Ausbildung und mit Mitmenschen

Bei all den oben aufgeführten Problemen ist es verständlich, dass es hier zu erheblichen Problemen kommt. Oft fühlen sich die Betroffenen gemobbt, weil sie mit ihrer Impulsivität und Stimmungsschwankungen anecken und die inkonstanten Leistungen führen zu erheblichen Problemen am Arbeitsplatz. Nicht selten erkranken auch die Partner und Angehörigen an Depressionen und psychosomatischen Erkrankungen, weil es sehr belastend ist mit den täglichen Stimmungsschwankungen und dem Chaos umzugehen. Es zeigt sich eine Vervierfachung der Scheidungsrate, wenn ein Familienmitglied von ADHS betroffen ist.

Erschwert wird dies noch durch die hohe Erblichkeit, so dass oft noch ein Elternteil, evtl. auch beide Eltern zusätzlich betroffen sind, was die Probleme potenziert. In solchen ADHS-Chaos-Familien kann es in Stresssituationen auch zu körperlichen Auseinandersetzungen kommen. Alleinerziehende sind sehr schnell an ihrer Belastungsgrenze.

Schnelle Erschöpfbarkeit und Lustlosigkeit

Das Durchhaltevermögen und die Selbstmotivation sind stark eingeschränkt, was zu schneller Resignation und Mutlosigkeit führt. ADHS-ler besitzen einen riesigen „inneren Schweinehund“, den sie nur sehr schwer für Aufgaben überwinden können, die sie nicht interessieren. Daraus resultieren erhebliche:

Selbstzweifel

und ein mangelndes Selbstbewusstsein. In den meisten Biographien der betroffenen Patienten zeigt sich eine Ansammlung von traumatischen Erfahrungen. Oft sind schon die Familien sehr problematisch und die Kinder haben früh die Erfahrung gemacht, dass sie nicht lernen konnten, vergesslich waren und in der Schule schlechte Noten hatten. Waren sie auch noch hyperaktiv, haben sie meist Ablehnung von anderen erfahren und sind in eine Außenseiterposition geraten. Die bisherige Lebenserfahrung in der Kindheit war dann: „Ich bin dumm und werde abgelehnt“. Das ist keine gute Voraussetzung für die Entwicklung eines stabilen Selbstwertgefühls.

Komorbiditäten

Weiterhin gibt es zahlreiche Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), die die Symptomatik abermals verschärfen. Dazu gehören:

  • Leserechtschreibstörung
  • Rechenschwäche bis zum 30%
  • Ticsyndrom ( Tourette) 10-20%
  • Depressionen
  • Ängste
  • Zwänge
  • hohe Unfallrate (durch unüberlegtes Handeln)
  • Störung des Sozialverhaltens und oppositionelle Verhaltensweisen
  • Schlafstörungen
  • Suchtentwicklung
  • Essstörungen
  • Somatisierungsstörungen
  • Posttraumatische Belastungsstörungen
  • Restless Leg-Syndrom

Im Erwachsenenalter zeigen sich insbesondere erhebliche Risikofaktoren für seelische Erkrankungen. So leiden 30% der Erwachsenen ADHS-ler unter Ängsten und Depressionen. Aber auch Suchterkrankungen im Sinne von Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) finden sich sehr häufig.

ADHS-ler können alles zur Sucht machen

Erhöhtes Suchtrisiko

ADHS-ler haben ein erhöhtes Suchtrisiko. Sie können fast alles zur Sucht machen, weil sie zu Extremen neigen und kein Maß finden. Der Beginn der Sucht ist oft auch deutlich früher und der Konsum heftiger. Es kann ein Wechsel in der Wahl der Suchtmittel im Verlauf des Lebens stattfinden. In Kliniken für Alkoholkranke oder Drogenabhängige haben bei einem Screening auf ADHS 30-40% der Patienten ein bisher unerkanntes ADHS, das bei Suchterkrankung auch getrennt mitbehandelt werden muss.

Versuch einer Selbstbehandlung

Die häufigste Ursache für das Auftreten einer Sucht ist der Versuch der Selbstbehandlung. Gerade ADHS-ler sind häufig starke Raucher und sie versuchen mit Hilfe der Wirkung des Nikotins die Symptome der ADHs in den Griff zu bekommen. Nikotin wirkt dabei ähnlich am Dopaminrezeptor wie das ADHS-Medikament Methylphenidat. Nikotin hat eine entspannende, aufmerksamkeitsfördernde, anregende aktivierende Wirkung. Leider ist auf Grund von Nebenwirkung und Langzeitschäden diese Selbsttherapie nicht zu empfehlen. Die zweithäufigste Droge bei ADHS ist Cannabis. Sie führt zu Entspannung und Gelassenheit bis hin zu Gleichgültigkeit und Apathie. Genau dies ist im Alter des Erwachsenenwerdens überhaupt nicht sinnvoll, da es doch in dieser Zeit gilt mit Motivation und Engagement die Schule zu beenden und einen Beruf zu erlernen.

Cannabis verstärkt in vieler Hinsicht die Symptome der ADHS, denn von Hause aus haben Betroffene sowieso nicht viel Motivation. Im schlimmsten Fall entwickelt sich ein Null-Bock-Syndrom mit völligem Desinteresse an der Umgebung, den Mitmenschen und der Arbeit..

Auch Alkohol und Kokain werden häufiger bei Vorliegen einer ADHD konsumiert, ebenso wie der relativ harmlose Konsum von Kaffee und Cola

Soziale Akzeptanz

Oft machen Jugendliche erstmals durch Drogen die Erfahrung Anschluss an eine Gruppe Gleichgesinnter zu bekommen und hier Anerkennung und Bestätigung zu erfahren. Sie haben in ihrer Kindheit häufig wenige Kontakte zu Gleichaltrigen gehabt und möglicherweise sich ausgegrenzt und ausgeschlossen gefühlt.

Essstörungen

 

Auch Essstörungen treten bei ADHS häufiger auf, besonders die Bulimie und Esssucht.

Computersucht

In letzter Zeit wird  vermehrt über die Computersucht geforscht. Hier sind ADHS-ler auch besonders gefährdet. Ist es denn verlockend, der Realität zu entfliehen in der man versagt oder abgelehnt wird oder in eine zweite Identität zu schlüpfen in der man endlich mal der Held ist und Freunde hat. Viele ADHS-ler sind exzessive Computerspieler oder finden die Austaste des Fernsehers nicht.

Oft sind die Betroffenen auch sehr verschuldet, weil sie keinen Überblick über ihre Finanzen haben und sich keinen Plan machen können.

Im Laufe des Lebens kann es zu einer Suchtverlagerung kommen, denn ADHS-ler laufen immer die Gefahr alles zu übertreiben und exzessive Verhaltensweisen zu entwickeln. Sie finden kein Maß und keine Mitte und sie sind schnell verführbar und verdrängen die Konsequenzen ihrer Suchtgewohnheiten.

Risikoverhalten

ADHS haben auch eine Neigung dazu Risiko zu suchen und Gefahren herauf zu beschwören. Sie suchen den Kick und das Abenteuer, weil sie nichts mehr fürchten als Langeweile und Leere. Sie erleben sich lebendig, wenn sie gefährliche Sportarten betreiben, ihr Leben aufs Spielsetzen und Risiken eingehen. Dies zeigt sich auch im Straßenverkehr, wo ADHS-ler sich nicht an Regeln halten wollen, riskante Überholmanöver riskieren oder auf der Stoßstange des Vordermannes diesen disziplinieren wollen, weil er ihnen viel zu langsam fährt

Chaosmanagement

ADHS-ler haben auch ein Problem damit Tätigkeiten rechtzeitig anzufangen. Sie schieben alles bis auf den letzten Drücker auf und versuchen dann hektisch und gereizt das versäumte nachzuholen. Obwohl sie hier erstaunliche Fähigkeiten im Chaosmanagement entwickelt haben, bleiben sie mit ihrer Arbeitshaltung deutlich unter ihren Möglichkeiten und verärgern außerdem ihre Mitmenschen damit.

Schlechtes Zeitmanagement

Weiterhin haben sie oft ein schlechtes Zeitmanagement. Sie können Zeit nicht einschätzen, fangen noch schnell irgendwelche Tätigkeiten an, obwohl sie einen Termin haben und bekommen die Tätigkeit nicht zu Ende sondern sie kommen obendrein noch zu spät.Sie können Zeit oft ganz schlecht einschätzen. Auch der Rückgriff auf vergangene Zeit fällt schwer. Gestern ist schon weit weg und vor zwei Wochen ist schon eine Ewigkeit. Entsprechend schlecht ist auch die Erinnerung an Vergangenes. Überhaupt sind ADHS-ler meist sehr vergesslich, obwohl sie auch für bestimmte Dinge ein Elefantengedächtnis haben können. Aber ADHS-ler sind so oft immer im Extrem.

ADHS-ler haben auch Schwierigkeiten Angefangenes zu Ende zu bringen. Sie sind sprunghaft, fangen viele Sachen an und haben dann keinen Biss oder Motivation das Angefangene zu Ende zu bringen. Manchmal vergessen sie es auch einfach. Weiterhin haben sie Entscheidungsschwierigkeiten. Wenn sie in einem Supermarkt sind und unter 6 Ketchup-Flaschen eine auswählen sollen, fühlen sie sich da häufig überfordert.

Menschen mit ADHS sind oft sehr extrem: himmelhochjauchzend-zu Tode betrübt, total begeistert oder total frustriert. Sie können charmant sein, selbstlos und hochsensibel und im nächsten Moment einen unvorhersehbaren Wutausbruch haben.

Es stresst die Angehörigen, weil sie so unberechenbar sind. Eben war es noch wunderschön und jetzt ist wegen einer falschverstandenen Bemerkung die Stimmung entgleist. Es gibt keine Stabilität sondern ständige Überraschungen und unkalkulierbare Situationen.

Viele ADHS-ler habe auch finanzielle Probleme, weil sie keinen Überblick über ihre Finanzen haben. Inkassobüros leben von ihnen. Auch bezahlen sie ihre Rechnungen nicht pünktlich, weil sie es vergessen oder den Brief gar nicht erst aufmachen oder aber keine Überweisungsformulare zur Hand sind. Auch kaufen ADHS-ler gerne und viel und sie leben häufig über ihre Verhältnisse, geben mehr Geld aus als sie haben.

In Partnerschaften kann es auf Grund der Symptome bei ADHS genauso wie am Arbeitsplatz er erheblichen Problemen kommen. ADHS-ler haben häufigere Scheidungen, Trennungen und Probleme.

Eine Liebes-Beziehung mit einem ADHS-ler kann eine große Herausforderung sein. Wenn beide Partner sich nicht mitihren spezifischen Eigenheiten auseinandersetzen, kann die besondere Anziehung, die ADHS-ler häufig haben, schnell umschlagen in Flucht oder hochkonflikthaftes Verhalten. Wichtig ist auch zu bedenken, ob sich ein Partner oder beide auf dem Hintergrund einer ADHS verhalten Menschen mit einer ADHS-Symptomatik erscheinen unzuverlässig, schieben Dinge auf und tragen oft nur wenig Verantwortung. Sie können sehr schnell die Stimmung wechseln – als hätten sie zwei Gesichter – und erscheinen dann teilweise nicht mehr altersgerecht. Für Partner wirken sie so unberechenbar und das kann Angst machen!

ADHS-ler schwanken zwischen Selbstlosigkeit und der Vorstellung, als würde sich die Welt nur um sie drehen. Oft können sie sich schwer in andere hineinversetzen und nehmen Dinge so wahr, dass sie ihre eigene Position bestätigt sehen. Bei Diskussionen sind sie ein hartnäckiges Gegenüber, da sie dazu neigen, sich an Themen festzubeißen und Recht haben zu wollen.

ADHS-ler spüren eine fortwährende innere Anspannung und haben das Gefühl im Leben dauernd kämpfen zu müssen. So fällt Entspannung schwer und es braucht ständig Aktionen. Die besondere innere Verletzlichkeit und Kränkbarkeit die sie ausmacht, passt für Außenstehende nicht mit der „Holzkeule“ zusammen, mit der ADHS-ler scheinbar austeilen. So bleibt es selbst im Erwachsenenalter für Betroffene nicht aus, sozialverträgliche Regeln zu lernen!

Soziale Verhaltensauffälligkeiten

Menschen mit einer ADHS-Symptomatik denken, fühlen und handeln anders. Das führt dazu, dass sie in der Regel gehäuft Schwierigkeiten im Umgang mit anderen haben.

Verhalten sich nicht „erwachsen“

ADHS-ler sind häufig sehr fordernd, wollen alles „immer und sofort“ und tun sich schwer damit, abwarten, wenn sie nicht gleich bekommen, was sie wollen. Sie handeln häufig, ohne an weitere Folgen zu denken. Das wirkt auf andere wenig sozial kompetent und unreif.

Impulsive, riskante Verhaltensweisen

Aufgrund fehlender innerer Struktur und „überschießender“ Energien, übertreten ADHS-ler häufig Regeln und reagieren auf Reize sehr aufbrausend und heftig. Die gute Nachricht: Genauso schnell vergessen und vergeben sie anderen auch wieder!

Häufig kommt es zu wechselnden Sexualpartnern. Eine ungenügende Verhütung endet nicht selten in einer ungeplanten Schwangerschaft. ADHS-ler gefährden sich durch zu schnelles und riskantes Fahren. Leichtsinniger Umgang mit Geld endet in grenzenloser Verschuldung. Gelegentlich kommt es auch zu dissozialem Verhalten und Drogenproblemen. Letztere sind häufig der Versuch einer Selbstbehandlung.

Menschen mit zwei Gesichtern

In Sekundenschnelle kann die Stimmung wechseln – von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. ADHS-ler sind schnell zu begeistern, neigen dazu, sich zu langweilen und sind dann frustriert. Ihr Schwarz-Weiß-Denken und ihre Neigung sich an Themen festzubeißen führt zu Endlosdiskussionen und kann anderen den letzten Nerv rauben.

Als würde sich die Welt nur um sie drehen

ADHS-ler sind oft sehr egoistisch, aufsässig und provozieren andere gerne. Gleichzeitig fühlen sie sich schnell angegriffen und abgelehnt. Sie haben eine ausgeprägte Stressintoleranz, sind ablenkbar, wirken weinerlich und irritierbar.

Schwierigkeiten am Arbeitsplatz

Probleme strukturiert und konzentriert zu arbeiten

Motivationsprobleme kennzeichnen Menschen mit einer ADHS-Problematik. Das führt dazu, dass sie nicht rechtzeitig anfangen, alles auf den letzten Drücker bearbeiten und viele Flüchtigkeitsfehler machen. Sie machen ihre Sachen unvollständig, lernen nur nach vielen Wiederholungen, scheitern oft an Kleinigkeiten und bleiben häufig unter ihren Möglichkeiten. Erschwert wird die Situation noch durch wenig Selbstdisziplin, kein Zeitgefühl und einer teilweise bestehenden und möglicherweise unbehandelten Legasthenie und Rechenschwäche.

Keine Teamplayer – Außenseiterposition

Menschen mit ADHS können nur schwer etwas tun, was ihnen keinen Spaß macht. Ihre chaotische und planlose Arbeitsweise und ihr oberflächlicher und sprunghafter Arbeitsstil macht sie unbeliebt bei Arbeitskollegen. Diese müssen möglicherweise die Versäumnisse des ADHS-lers auffangen und abfedern. Die Neigung zu ständigen Diskussionen, Ausreden und, dazu die Fehler bei anderen zu suchen, macht sie nicht gerade zum Teamplayer.

ADHS und Kindererziehung

Für die meisten Menschen ist die Erfüllung ihres Kinderwunsches ein großes Glück und gleichzeitig eine Herausforderung, die es zu bewältigen gilt. Vor allem wenn ADHS im Spiel ist!

Häufig kommen Eltern erst durch die Diagnose ihres Kindes überhaupt auf die Idee, möglicherweise selbst betroffen zu sein. An diesem Punkt liegt in der Regel bereits eine lange Leidensgeschichte hinter ihnen – ihre eigene und die ihrer Kinder! In Familien mit ADHS-Betroffenen gibt es zweifelsohne mehr Stress als in anderen Familien.

In Paarbeziehungen, die „nur“ aus einem Betroffenen bestehen, können die Partner mögliche Defizite gegenseitig ausgleichen. In Eltern-Kind-Beziehungen, in denen beide betroffen sind, ist es für die Eltern, wie auch die Kinder eine große Herausforderung, ein familiäres Gleichgewicht herzustellen.

Damit Kinder sich bestmöglich entwickeln zu können, brauchen sie eine strukturierte und haltgebende Umwelt und Anerkennung ihrer Persönlichkeit. Besondern Mütter und Väter mit ADHS fällt eben genau das besonders schwer, die (ADHS typischen) Schwierigkeiten ihrer Kinder abzufedern.

Die positiven Seiten der ADHS

Enormes Potential

ADHS-Betroffene haben große Stärken und ein enormes Potential. Sie sind sehr originelle und kreative Menschen. Weil sie sich nicht an Regeln halten und alles in Frage stellen können, sind sie  oft die unbequemen mutigen Vordenker.

Unsere Welt wäre ohne ADHS-ler ärmer, denn wir brauchen sie als diejenigen die Innovationen, Revolutionen und Reformen machen, die hinterfragen und den Mut zum „Andersein“ haben.

Die richtige Nische finden

Es gibt viele erfolgreiche Menschen, die ADHS ohne Krankheitswert haben – als Normvariante im Sinne einer „bestimmten Art zu sein“. Wenn diese Menschen für sich die richtige berufliche Nische gefunden haben, sind sie häufig genial und unschlagbar in ihrem sprühenden Eifer und ihrem unermüdlichem Aktionismus. In den Medien oder als Computerfachleute finden wir sie häufig als highfunctioning ADHS-ler, sehr geschätzt, aber anstrengend für ihre Mitmenschen. Der gleiche ADHS-ler kann aber auch in einem Job als Bilanzbuchhalter kläglich scheitern, weil da Eigenschaften wie Ordnungssinn und Gründlichkeit von ihm abgefordert werden, die nicht zu seinen Stärken zählen. Es ist immer eine Frage, ob es dem ADHS-ler gelingt die richtige berufliche Nische zu finden, in der er sein Potential ausleben kann und natürlich auch den richtigen Partner, dem es gelingt seine Extreme auszugleichen.

Zwischen Genie und Wahnsinn

ADHS ist immer wieder ein Phänomen, das sich zwischen Genie und Wahnsinn bewegt. Übergangslos ist alles möglich, vom hochbegabten „zerstreuten Professor“ oder dem eloquenten Entertainer bis hin zu einem schwer gestörten chaotischen und gescheiterten Menschen, der an seinen vielen Misserfolgen zerbricht. Es gilt grundsätzlich die vielen positiven Eigenschaften des AD(H)S zu entwickeln. Ihre Sprunghaftigkeit ist gleichzeitig ihre kreative Art, ihre Unberechenbarkeit gleichzeitig auch ihre Flexibilität. Ihr Risikoverhalten auch ihre Neugier und ihr Mut. Diese positiven Seiten machen sie auch zu besonderen und originellen Menschen!.

Diagnostik

Etwa zwei Millionen Menschen sind in Deutschland von ADHS betroffen – Kinder, Jugendliche und Erwachsene! ADHS ist zu einem hohen Prozentsatz erblich, so dass sich Schwierigkeiten in der Regel bereits im Kindesalter zeigen.

Viele Betroffene haben bereits eine Odyssee von verschiedenen Behandlungen und Klinikaufenthalten hinter sich. Weder Antidepressiva, noch Neuroleptika haben ihnen wirklich gegen Depressionen, quälende Unruhe, Chaos und Konzentrationsstörungen helfen können. Vielleicht haben sie das Krankheitsbild sogar verschlimmert, weil der Patient noch ein paar Baustellen mehr hat, aber immer noch keinen Überblick und keine Struktur im Leben. Notwendig ist ein Therapiekonzept, das auf die Problematik und die besonderen Probleme bei ADHS abgestimmt ist.

Puzzlediagnostik

Die Diagnostik des AD(H)S ist eine Puzzlediagnostik, die sich aus den aktuellen psychischen Befunden, aus der Lebensgeschichte, insbesondere dem schulischen Werdegang und den familiären Konflikten erschließt. Hier geht es insbesondere um eine gezielte Befragung nach ADHS-Symptome in der Kindheit. Waren Sie zappelig und unruhig, konnten sie nicht stillsitzen? Haben Sie häufiger Schlägereien in der Klasse gehabt? Waren Sie damals schon jähzornig oder chaotisch? Wichtige Auskünfte können Grundschulzeugnisse geben. Lehrer könnten schon immer sehr

gut Schüler mit ihren Fähigkeiten und Defiziten beschreiben und so findet man oft in den Zeugnissen die genaue Beschreibung der kindlichen ADHS-Symptomatik wie: ist häufig abgelenkt, schwätzt viel, ist oberflächlich, schlampig, vergesslich, verträgt sich nicht mit seinen Mitschülern, hält sich nicht an Gesprächsregeln, kann, wenn er will usw.

Aktuelle Situation – Selbstbeurteilung

Wie schätzt der Betroffene die Ausprägung der Schwierigkeiten selbst ein? Welche davon beeinträchtigen ihn besonders? Welcher ADHS-Typ ist er?

Aktuelle Informationen von Eltern und Lebens-Partner/innen

Wichtig ist bei der Diagnostik auch eine sogenannte Fremdanamnese. Damit ist die Befragung der Eltern gemeint, die einmal schildern sollten, welche Probleme sie in der Erziehung hatten. Auch wenn man selbst eine andere Wahrnehmung der eigenen Kindheit hat, so sind diese Informationen häufig doch sehr aufschlussreich und ergänzen das Gesamtbild. Ebenso ist es wichtig die Partner zu befragen.

Wissenschaftliche Testverfahren

Es gibt zahlreiche Tests zur Diagnose der ADHS, sowie Aufmerksamkeitstests. Keiner dieser Tests ist allerdings beweisend. Sie können aber zusätzliche Hinweise zum Vorliegen einer ADHS liefern.

Zusätzliche Erkrankungen (Komorbiditäten)

Welche weiteren psychischen Störungen gibt es noch? Lediglich einer von fünf ADHS-betroffenen Erwachsenen hat ausschließlich ADHS.

Der Verlauf und die Symptomatik einer ADHS verändern sich, so dass im Erwachsenenalter häufig andere Erkrankungen im Vordergrund stehen (Depression, Essstörungen, Sucht, …) und ADHS-Symptome als solche häufig nicht erkannt werden.

Es gibt keinen Laborwert oder bildgebende Verfahren, die die Diagnose zweifelsfrei sichern können. So muss die Diagnose ADHS aus vielen Informationen zusammengesetzt werden. Wichtig ist immer, dass man ADHS immer wieder im Laufe des Lebens finden kann, denn ADHS zieht sich wie ein roter Faden durchs Leben.

Ursachen des ADHS

Zu einem hohen Prozent erblich

Es gilt heute als gesichert, dass das ADHS zu einem hohen Prozentsatz erblich ist. Die Wahrscheinlichkeit für Kinder ein ADHS zu haben, wenn auch ein Elternteil betroffen ist, liegt bei  bis zu 30 %. Man findet aber fast immer weitere Familienmitglieder, die ebenfalls ADHS-Symptome zeigen. Der Ausprägungsgrad kann dabei stark variieren. Haben beide Eltern ein ausgeprägtes ADHS, so liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die leiblichen Kinder ein ADS entwickeln, bei fast 90%.

Den sichersten Nachweis für die Erblichkeit können Wissenschaftler mit Hilfe der Zwillingsforschung erbringen. Eineiige Zwillinge haben ein identisches Erbgut, während zweieiige Zwillinge unterschiedliches Erbgut aufweisen, so wie es auch bei Geschwistern unterschiedlichen Alters üblich ist. Man geht davon aus, dass eineiige wie zweieiige Zwillinge unter relativ gleichen Bedingungen aufwachsen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich das ADS bei fast 80% der eineiigen Zwillinge gleichermaßen ausbildet, im Gegensatz zu nur 28 % bei den zweieiigen. Das bedeutet, dass bei gleichem Erbgut die Wahrscheinlichkeit, ein ADHS zu entwickeln, um den Faktor drei steigt.

Einfluss der sozialen Situation

Ein stützendes, liebevolles und klar strukturierendes Elternhaus ist für die Bewältigung des Alltags hilfreich. Denn Kinder, die ADHS haben, sind weniger stressresistent und belastbar. Ein ADHS wird sich stärker ausprägen, wenn das Elternhaus problematisch und belastend ist oder aber die Kinder schwere Schicksalsschläge hinnehmen mussten. Je weniger Halt und Struktur die Familie dem Kind vermitteln konnte, desto weniger Korrektur und Unterstützung konnte es erfahren und desto deutlicher kann sich das ADHS entwickeln.

Hinzu kommt, dass Drogenabhängigkeiten der Mutter sowie Zigaretten- und Alkoholkonsum während der Schwangerschaft das Risiko eines ADHS erhöhen können. Auch Früh- und Mangelgeburten bergen ein höheres Risiko.

Was genau geschieht im Gehirn eines AD(H)S-lers?

ADHS ist eine neurobiologische Besonderheit im Dopaminstoffwechsel.

Die Forschungen hierzu sind noch nicht abgeschlossen, und es gibt viele Theorien, die noch weiterer Bestätigung bedürfen.

Sicher ist heute, dass das ADHS eine Störung bzw. eine Normvariante des Frontalhirns darstellt. Das Frontalhirn ist zuständig für die Verhaltensregulierung, aber auch für Entscheidungen, Auswertung von Erfahrungen und für die gesamte Steuerung des Organismus. Das Frontalhirn oder auch Vorderhirn steuert die Informationsverarbeitung all der Millionen Reize, die jede Sekunde auf uns einströmen. Es muss diese Reize filtern, sortieren, ablegen, löschen oder aber weiterleiten. Das setzt voraus, dass in unserem Gehirn eine Informationsverarbeitung und eine Selektion nach Prioritäten stattfinden. Funktionieren diese Filter nicht ausreichend, kommt es zu einem Datencrash oder Datenkurzschluss. Das Gehirn kann die einströmenden Reize nicht sinnvoll verarbeiten, und der ADHS-ler ist nicht mehr in der Lage, die Fülle der Informationen sinnvoll zu sortieren und zu nutzen, bzw. ausreichend zu gewichten und zu bewerten.

Machen wir uns dies einmal klar. Das Gehirn wird pro Sekunde mit 400 Milliarden Bits an Informationen bombardiert. Von dieser unvorstellbaren Informationsflut filtert unser Gehirn die wesentlichsten Informationen heraus, so dass nur 2000 Bits pro Sekunde in unser Bewusstsein gelangen. Wenn wir uns z.B. auf einen Vortrag konzentrieren filtert das Gehirn die unwesentliche Hintergrundinformation heraus, so dass wir nur den Vortrag hören können. Wir nehmen so nur ganz am Rande wahr, dass der Nachbar seine Nase putzt, der Straßenverkehr draußen laut ist, gerade ein Flugzeug das Gebäude überfliegt und zwei Reihen hinter uns geschwätzt wird. Das AD(H)S-Hirn kann diese Hintergrundgeräusche nicht so erfolgreich herausfiltern und so nimmt er die tickende Uhr des Nachbarn oder das Geflüster des Nebenmannes gleich laut und damit gleich wichtig war wie das, das er augenblicklich wahrnehmen kann.

ADHS-ler haben außerdem eine Störung der Impulskontrolle und der Verhaltensregulierung. Diese wird ebenfalls vom Frontalhirn gesteuert. Hier ist die Resonanz auf Reize deutlich erhöht. So wie die Reize ungefiltert auf den ADHS-ler einstürzen, so ungefiltert schleudert er auch seine Gefühle in die Welt, oft mit fatalen Folgen. Eine angemessene Verhaltensregulierung kann so nicht erfolgen. Stattdessen versagen die Hemmungs- und Kontrollsysteme des Frontalhirns und bedingen die überschießenden, unberechenbaren Gefühle und Erregungszustände des ADHS-lers.

Medizinisch hat man durch neue PET-Untersuchungen (Positronenemissionstomographie) eindeutig nachweisen können, dass die vorderen Hirnabschnitte beim ADHS-ler weniger stark durchblutet sind. Es konnte auch eine geringere Nervenaktivität in bestimmten Hirnregionen nachgewiesen werden. Man nimmt heute an, dass die hemmenden Funktionen des Frontalhirns nicht ausreichend aktiviert sind, so dass die Brems- und Hemmungssysteme des Gehirns nicht zufriedenstellend arbeiten. Dadurch entstehen die überschießenden Reaktionen und Gefühle. Dies betrifft auch die motorischen Handlungen. Hier gelingt es dem ADHS-ler nur schwer, seine Kraft zu dosieren und seine Feinmotorik gut zu koordinieren. Der ADHS-ler hat auch Probleme, seine Motivation über einen längeren Zeitraum hinweg aufrecht zu erhalten.

Therapie

Grundsätzlich ist nicht jede ADHS behandlungsbedürftig. Sowohl die eine als auch die andere Variante sind zunächst einmal normale Erscheinungen im menschlichen Leben. Viele von ADHS Betroffene haben gute Wege gefunden, mit ihrer ADHS umzugehen bzw. haben sich in Bereichen verwirklicht, in denen sie von ihren Eigenschaften profitieren.

Behandlungsbedürftig wird das ADHS immer erst, wenn es zu erheblichen Schwierigkeiten im Arbeits- oder Beziehungsbereich kommt oder bei dem Auftreten von Depressionen, Suchtentwicklung und anderen psychischen Erkrankungen. Es ist nötig ganz besondere Therapieprogramme anzubieten, eventuell auch eine Medikation, die sich seit 60 Jahren bei den ADHS bewährt hat. Hier zeigen sich auch neue Ansätze bei der Suchttherapie.

Nach einer erfolgten ADHS Diagnose empfiehlt sich eine multimodale Behandlung:

Psychoedukation

Für Betroffene ist es wichtig, sich mit den Ursachen und ihren ganz persönlichen Symptomen auseinanderzusetzen. Häufig setzt eine große Erleichterung  ein, wenn diagnostische Merkmale in Bezug zum eigenen Leben gesetzt werden können und somit das „eigene Scheitern“ unter einem ganz anderen Blick gesehen werden kann.

Auf Grund ihrer „besonderen Art zu sein“ müssen ADHS-Betroffene einige Eigenschaften trainieren, die ihnen nicht in die Wiege gelegt wurden. Hierzu gehören: Selbstorganisation, Selbstkontrolle, Selbstkritik, Geduld, Achtsamkeit, Gelassenheit, Loslassen und Toleranz.

Medikation

Medikamente können die neurologischen Probleme, die einer ADHS zugrunde liegen, korrigieren. Bei der Behandlung von ADHS stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Im Gespräch mit einem behandelnden Arzt können verschiedene Fragen besprochen werden: Welche sind für mich geeignet? Soll ich überhaupt Medikamente nehmen? Welche Nebenwirkungen habe ich zu erwarten?

Wichtig ist auch, zu welchem Zeitpunkt über eine Medikation nachgedacht wird. Wie lange ist die Diagnose schon bekannt? Ist sie schon akzeptiert oder hadern sie noch damit? Was wurde möglicherweise schon alles ausprobiert?

Eine Medikation kann jederzeit begonnen und wieder beendet werden. Es ist keine Lebensentscheidung, sich vielleicht phasenweise für medikamentöse Unterstützung zu entscheiden.

Verhaltenstherapie/tiefenpsychologische Therapie

Eine psychotherapeutische Behandlung kann (auch in Verbindung mit einer Medikation) zu einer deutlichen Verbesserung der aktuellen Lebenssituation führen.

Ein verhaltenstherapeutischer Ansatz kann helfen, die ADHS-typische chaotische Lebensweise in eine Struktur zu packen. Und so möglicherweise lang erlernte negative Strategien zu verändern. Bei Menschen mit einer ADHS-Symptomatik ist es wichtig, die fehlenden inneren Strukturen durch äußere Marker zu ersetzen und Skills (Fertigkeiten) zu erlernen, die sie dabei unterstützen, ihre impulsiven Verhaltensweisen besser zu kontrollieren.

Häufig haben sich im Leben eines ADHS-Betroffenen viele ungelöste Konflikte angesammelt und der Selbstwert konnte sich nicht ausreichend entwickeln. Hier kann es sinnvoll sein, in einer tiefenpsychologischen Therapie die vergangenen Schwierigkeiten aufzuarbeiten.

Litratur:

Das große Handbuch für Erwachsene mit ADHS, Russel A. Barkley, Hogrefe Verlag

ADHS im Erwachsenenalter, Symptome – Differenzialdiagnose – Therapie, Johanna Krause u. Klaus-Henning Krause, Schattauer Verlag

 


Therapeuten   

Dr. med. Susanne Reicherzer
Nymphenburger Str. 148
80634 München
Tel: 089-1665434
neuro-neuhausen.de

Dr. Caroline Zimmermann
Landwehrstr. 7
80336 München
Tel: 089-591808
neuropraxis-zimmermann.de

KBO Isar-Amper-Klinikum 
ADHS-Ambulanz
Ringstr. 24
85540 Haar
Tel.: 089-45623610
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Herr Dr. med. Axel Ullrich
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ADHD As A Difference In Cognition, Not A Disorder.

Stephen Tonti at TEDxCMU